Erdöl
Erdöl hat eine Doppelfunktion: Es ist weltweit der wichtigste Primärenergieträger und zugleich der notwendige Rohstoff für die Petrochemie, mit ihrer außerordentlichen Produktvielfalt von Kunststoffen bis zu Medikamenten. Aufgrund dieser Bedeutung wird Erdöl auch das »schwarze Gold« genannt. Die Erdölreserven sind regional sehr ungleichmäßig verteilt, wobei der Nahe Osten über das größte Gesamtpotenzial verfügt, gefolgt von Nordamerika und der GUS. Daher rührt auch die enorme politsch-strategische Bedeutung des Erdöls.
Erdöl, englisch Petroleum, flüssiges, natürlich vorkommendes Gemisch aus Kohlenwasserstoffen, das unter dem Eigendruck der Lagerstätte oder mit mechanischen Hilfen gefördert werden kann. Erdöl bildet unter anaeroben Verhältnissen (kein Sauerstoff vorhanden) aus abgestorbenem tierischen und pflanzlichen Plankton, d. h., in schlecht belüfteten marinen Ablagerungsräumen oder auch in gut durchlüftetem Wasser unter der Oberfläche feinklastischer Sedimente (v. a. im Bereich des Kontinentalschelfs). Dort sinkt das Plankton in den lebensfeindlichen Faulschlamm und wird über Jahrmillionen mithilfe von Bakterien zersetzt und reduziert (Metamorphose). Die entstehende Erdöl-Vorstufe sinkt weiter, wobei sich aufgrund der steigenden Temperaturen Molekülteile abspalten, v. a. Wasser, Kohlendioxid und Methan (Erdgas). Das schließlich entstehende Erdöl bildet sich im tonigen Erdölmuttergestein in feinen Tröpfchen und lässt sich aus diesem nicht gewinnen. Erst unter dem Druck nachfolgender Sedimente wird es ausgepresst und weicht durch Wanderung (Migration) in poröse und klüftige Speichergesteine aus, wo es sich unter undurchlässigen Deckschichten in Erdölfallen zu Lagerstätten anreichert. Erdöllagerstätten befinden sich häufig in Schichtsätteln (Antiklinalen), an Verwerfungen und Diskordanzen sowie an den Flanken und dem Dach von Salzstöcken. Im Idealfall sammelt sich im höchsten Teil der Struktur Erdgas (Gaskappe) an, darunter das vom Randwasser unterlagerte Erdöl; das Erdgas kann unter bestimmten Umständen auch allein weiterwandern, wodurch reine Erdgasvorkommen entstehen können.
Quelle: http://lexikon.meyers.de/wissen/Erd%C3%B6l+(Sachartikel)
Erdöl wurde bereits im Altertum als Heizmaterial, zum Beleuchten, als Wagenschmiere oder als Mörtel verwendet. Das Öl besteht aus einem Stoffgemisch von mehr als 500 Komponenten, von denen einige an der Luft zur Polymerisation neigen. Aus diesem Grund verdicken sich manche Erdölsorten beim Aufbewahren im Labor. Die industrielle Förderung von Erdöl begann etwa im Jahre 1854. Damit stand der Verarbeitung der verschiedenen Komponenten nichts mehr im Wege. Aus dem Erdöl lassen sich nahezu alle Stoffe der organischen Chemie herstellen.
Quelle: http://www.seilnacht.com/Lexikon/k_gesch.html
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